Interkulturelle Team-Führung

Interkulturelle Teams brauchen sensible Führungskräfte

 

Um Vielfalt zu managen, brauchen Führungskräfte interkultureller Teams vor allem ein Gespür für kulturelle Unterschiede. Sie müssen sensibel auf Diversität reagieren. Das Knigge-Wissen über „das Verhalten gegenüber Asiaten“ genügt dabei nicht. Nötig ist ein kultureller Relativismus, also die Einsicht, dass die eigene Kultur nicht als Maßstab gelten darf und keine Kultur als besser oder schlechter beurteilt werden darf. Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern gegenüber vorurteilsfrei begegnen.

Im Fußball scheint dies besonders gut zu funktionieren. Bundesligamannschaften haben einen Ausländeranteil zwischen 45 % und 75 %. Als aktuelles Beispiel darf ich den FC Bayern anführen, der acht mal in Folge Deutscher Fußballmeister wurde. Im aktuellen Kader befinden sich 53 % Ausländer.
Bisher beschäftigte der Verein 25 verschiedene Nationen: Von A (wie Argentinien) bis U (wie Ungarn).

Aber als Führungskraft müssen Sie nicht unbedingt Fußballfan sein, um ein eigenes Meisterteam zu entwickeln!

Wie man ein Meisterteam entwickelt

Was sind die besonderen Herausforderungen an jedes Team? Und wie entsteht „Teamgeist“?

  1. Die gemeinsame Zielsetzung und das Verschmelzen individueller mit kollektiver Vorstellung,
  2. die Schaffung eines positiven Klimas, zu dem jedes Teammitglied aktiv beiträgt und dabei für die anderen einsteht,
  3. das Übernehmen von Verantwortung jedes einzelnen Teammitglieds; nicht nur für seine Aufgaben, Tätigkeiten und das eigene Verhalten, sondern für das große Gesamte, und
  4. die aktive Führung, die mutig und gemeinsam mit den Teammitgliedern eine erfolgsversprechende Strategie entwickelt.

In Teams arbeiten – eine Frage des Betriebssystems

Wir Menschen sind nicht die einzige Spezies, die in Gruppen zusammenleben. Auch bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, ist das so. Sie leben in kleinen Teams und bilden ein funktionierendes Sozialsystem. Sie kümmern sich umeinander, pflegen Freundschaften und kämpfen gemeinsam gegen Feinde. Ihr Team (Rudel) sind hierarchisch organisiert und werden von einem „Alpha“, meist einem Männchen, angeführt. Nicht weil es etwa das stärkste Tier ist steht es hierarchisch gesehen ganz oben sondern,  weil es ein großes und stabiles Netzwerk von Unterstützern aufgebaut hat.

Damit das Zusammenleben der Schimpansen gut funktioniert, darf die Gruppe nicht zu groß sein. Die einzel- nen Tiere müssen sich kennen. Zwei Tiere, die sich noch nie gesehen, nie Seite an Seite gekämpft und sich noch nie gegenseitig Läuse aus dem Pelz gesucht haben, wissen nicht, ob sie sich über den Weg trauen können und ob es sich lohnt, sich gegenseitig zu helfen.

Wird das Team zu groß, dann spalten sich Subgruppen ab und ein neues Team entsteht. Verschiedene Gruppen von Schimpansen arbeiten eher selten zusammen. Viel eher konkurrieren sie um Gebietsansprüche und Futter oder sie bekämpfen sich. Vielleicht denken Sie jetzt, dass dies auf uns Menschen in etwa ebenfalls zutrift.  Da haben Sie Recht, noch also fehlt der entscheidende Unterschied.
Er liegt darin, dass sich im Laufe der Evolution das menschliche Gehirn anders entwickelte als jenes aller anderen Lebewesen.

Den Begrif „Betriebssystem“ kennen Sie wahrscheinlich aus der Welt der Informationstechnologie. Ein Betriebssystem ist eine Zusammenstellung von Programmen, die die Ressourcen eines Computers verwalten und Anwendungsprogramme zur Verfügung stellen. Typische Aufgaben sind etwa die Benutzerkommunikation, das Laden, Ausführen und Beenden von Programmen, die Verwaltung des Speicherplatzes für Anwendungen, die Verwaltung und der Betrieb angeschlossener Geräte. Ähnlich regelt das menschliche Betriebssystem die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Es steuert die Programme, die unser Verhalten erklären und bestimmen, auf welche Inhalte wir bevorzugt reagieren.

Das menschliche Betriebssystem. (© Claudia Styrsky)

Eine Vision für das Team erarbeiten

Die wohl größte Herausforderung in der Teamarbeit besteht darin, die vielen individuellen Vorstellungen zu verbinden. Zunächst handelt es sich bei jeder Gemeinschaft ja um Individuen, um einzelne Ichs, die zu einem Wir entwickelt werden sollen. Dafür braucht es die Bereitschaft jedes einzelnen Teammitglieds, die eigenen Ziele, Motive und Erwartungen in kollektive Vorstellungen einzubringen. Große Ziele und Ideen können in einem Team nur dann erreicht werden, wenn alle miteinander kooperieren.

n manchen Branchen befindet sich zwischen dem Ich und dem Wir eine zusätzliche Hürde, die es zu nehmen gilt: das Standesdenken verschiedener Berufsgruppen, das ebenfalls ein „Eigenleben“ hat. So stehen beispielsweise Abteilungen in Krankenhäusern, die sich zu einem Team entwickeln wollen, vor der Herausforderung, eben dieses Standesdenken der jeweiligen Berufsgruppen zu minimieren und in eine neue sowie gemeinsame Überzeugung einzubringen.

Ein Team entsteht um eine gemeinsame Mitte. (© Claudia Styrsky)

Zusammenhalt und positive Kommunikation entwickeln

Wir haben in den vielen Jahren, in denen wir mit Teams in verschiedenen Settings arbeiten, ein Erfolgsgeheimnis identifiziert und immer wieder erlebt. Es zeigt sich in einer Kultur des Zusammenhalts und Vertrauens. Teams sind dann besonders erfolgreich, wenn die Mitglieder sich verbunden fühlen und jeder bereit ist, sich für den anderen in Bewegung zu setzen. Dieser Zusammenhang
von Leistungsstärke und Zusammenhalt eines Teams ist gut untersucht und oftmals belegt. Zum Ausdruck kommt dies beispielsweise dann, wenn Teammitglieder bereit sind, den Fehler eines anderen auszubessern, ohne lange darüber zu diskutieren, oder wenn eine positive Kommunikation dafür sorgt, dass auch die Unsicheren im Team an Stabilität gewinnen. Beobachtbar ist diese Verbundenheit in jedem Team, unabhängig von der Branche.

Wie Ziele und Herausforderungen das Antriebssystem in unserem Betriebssystem aktivieren, so regeln der Umgang miteinander und die kollektive Verbundenheit das Beruhigungs- und Versöhnungssystem. Die menschlichen Motivationssysteme schalten ab, wenn keine Möglichkeit auf soziale Zuwendung besteht, und springen an, wenn Vertrauen und Respekt, Unterstützung und Anerkennung den Alltag beherrschen.

Ein Team bildet gemeinsame Werte aus. (© Claudia Styrsky)

Einem Team wird es dann gelingen, die vereinbarten Werte und Verhaltensweisen gut umzusetzen, wenn sie in Meetings regelmäßig besprochen werden. Dabei genügt es, sich auf einen Aspekt eines Wertes zu konzentrieren. Dabei sollte analysiert werden, wie gut die Umsetzung funktioniert, welche Erfahrungen die Einzelnen dabei machen und welche Konsequenzen sich zeigen.

Einen starken Zusammenhalt und eine positive Kommunikation entwickeln – fünf wichtige Gedanken

  1. Zwischen Denken, Fühlen und Handeln besteht ein kausaler Zusammenhang. Diese drei Ebenen beeinfußen sich.
  2. Positive Emotionen setzen Energie frei und beflügeln – sorgen Sie dafür, dass sich die Menschen in Ihrem Team wohlfühlen.
  3. Besprechen Sie in Ihrem Team, wie gut die fünf Bausteine für einen starken Zusammenhalt von den einzelnen Mitgliedern umgesetzt werden.
  4. Reflektieren Sie die Big Five einer positiven Kommunikation im Team von Zeit zu Zeit.
  5. Erarbeiten Sie eine Teamkultur, die jene Mentalität fördert, die für die Realisierung des gemeinsamen, übergeordneten Teamziels notwendig ist.

Eine erfolgversprechende Strategie entwickeln

Eine erfolgsversprechende Strategie zeichnet sich unseres Erachtens nach durch drei wesentliche Größen aus: das Ziel, die vorhandenen Ressourcen und konkret beschriebene Aktivitäten im Sinne eines Handlungsplans. Das gemeinsame, übergeordnete Ziel ist der Ausgangspunkt allen Handelns in jedem Team. Erst die genaue Kenntnis, worin die große Idee besteht, ermöglicht strategische Überlegungen und Schritte.

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