Gesundes Führen

Führungsstile der Zukunft – Im Wandel der Arbeitswelt

Führung – ein Phänomen, das bereits in der frühen Geschichte der Menschheit bekannt war und wie es auch heute noch ist. Richtet man seinen Blick auf die Arbeitswelt und den Arbeitsmarkt der Moderne, eröffnet sich eine Gesellschaft, die augenscheinlich schneller als jedem bisherigen Wandel unterzogen ist. Wie kann Führung also gerade in dieser modernen Zeit gestaltet werden – und wie können neue Führungsstile diesem Wandel folgen?

Megatrends der Arbeit 4.0

Diversität, Individualisierung, Digitalisierung. Dies sind eindeutige Trends der Moderne. Daneben überschreiten Globalisierung und Technologisierung in ungeahnter Schnelle Grenzen des bisher Möglichen und stellen die Gesellschaft doch gleichzeitig vor immer neue Herausforderungen. Für Deutschland stellt sich zudem die spezifische Problematik des demografischen Wandels, auf dessen Rückberufung die Politik bereits heute Lebenslanges Lernen in den Betrieben fordert. All diese Phänomene lassen sich auch in der Arbeitnehmerkultur nachvollziehen: Denn Angestellte stellen Forderungen nach mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiräumen; nach Sicherheit bei gleichzeitiger Flexibilität; nach mehr individueller Weiterbildung als auch Integration im Unternehmen. Wie können nun Führungsstile der Zukunft diese wichtigen Trends begleiten und mitgestalten?

Unzeitgemäße Konzepte der Führungsstile

Der Frage zukünftiger Führungsstile hat sich eine Studie des BMAS – Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit der „Initiative Neue Qualität für Arbeit“ unter anderem gewidmet. Nach der Befragung von 400 Managern lautet das Ergebnis: Hierarchische Strukturen im Personalmanagement und somit eine ausnahmslos auf Autorität verlagerte Führung werden für zukünftige Führungsmodelle eher als nicht erfolgsversprechend bewertet. Bei dem autoritären Führungsstil ist die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter durch eine klare Ursache-Wirkungs-Beziehung strukturiert: Der Arbeitnehmer handelt in Reaktion auf erhaltene Anweisungen; Eigeninitiative und Verantwortung werden hier nicht gefördert. Von genau diesem Punkt sollte sich zukünftige Führung lossagen. Indes werden Dynamik, Netzwerkarbeit und auch die aktive und empathische Kooperation von Führungskräften zu ihrem Fachpersonal gefordert. Die aktuelle Kultur der Führungsstile, die sich noch zu sehr in Machtpositionen und Führungshierarchien wiederspiegelt, ist demzufolge nicht mehr zeitgemäß und sollte sich einer offenen Zukunftsperspektive widmen.

Die Führungsstile der Zukunft

1. Anpassbarer Führungsstil

Die heutige Arbeitswelt ist zunehmend durch eine strukturelle als auch sozialweltliche Komplexität und Diversität gezeichnet: Arbeitnehmer unterscheiden sich nach verschiedenen Bildungszweigen und beruflicher Orientierung, Qualifikationen und Leistungspotenzial sowie auch Erwartungen an den Arbeitgeber. Gleichzeitig ist in der heutigen Diversität auch die Identität der Arbeitnehmer zu berücksichtigen; sei es durch die kulturelle, ethnische oder nationale Herkunft. Führung muss demnach individuell gestaltet werden – und sich an Differenzen unter den Arbeitnehmern anpassen. Dazu gehört dann auch, Lebenslanges Lernen zu begleiten und sich an wandelnde Voraussetzungen der Mitarbeiter anzupassen. Insofern stehen unter der Verantwortung zukünftiger Führung auch betriebsinterne, wechselseitige Beziehungsmuster, die vor allem den Mitarbeiter in den Vordergrund rücken. Die aktive Rolle des Vorgesetzten wird in Form von, „Leadership Agilitiy“ gefordert, wobei aber diese „Gewandheit“ vor allem auch darin besteht, Machtpositionen und hierarchische Strukturen aufzubrechen und sich dem Mitarbeiter zu nähern.

2. Integrativer Führungsstil

60 % der befragten Betriebe sehen einen Fachkräfteengpass als größte Herausforderung für die nächsten zwei Jahre – auch dies ging aus der Studie des BMAS hervor. Folglich muss Fachpersonal an ein Unternehmen gebunden werden – den Verlust wichtiger Mitarbeiter könnte sich ein Manager nicht mehr leisten. Dies kann nur durch einen integrativen und auch motivierenden Führungsstil geschehen. Führungskräfte müssen deshalb aktiv auf das Personal eingehen und auch dessen Leistungswillen positiv in die Unternehmenskultur einbinden. Potentiale wollen und sollen gefördert werden, zum Beispiel in Weiterbildungen. Und an anderer Stelle können Mitarbeitergespräche durch Feedback neue Optionen der Führungsrichtung ermöglichen.

3. Vernetzter Führungsstil

Durch fortschreitende Digitalisierung, mehr Mobilität und Flexibilität sind Mitarbeiter immer weniger daran gebunden, an ihrer Arbeitsstelle auch wirklich physische Präsenz zu zeigen. Mitarbeiter stehen beispielsweise eher in persönlichem Kontakt zu den Kunden als zu dem Arbeitnehmer. Ein zukünftiger Führungsstil weiß also virtuelle Kommunikation optimal für sich zu nutzen – sei es durch Videokonferenzen oder Telefon, per Twitter oder Email. Virtuelle Teams werden immer wichtiger und Unternehmen müssen auch in dieser eher unpersönlichen Kommunikationsform den Zusammenhalt fördern und eine gemeinsame Identität bewahren.

4. Innovativer Führungsstil

Der dynamische Weltmarkt spricht Akteure an, die sich genau wie er immer in Bewegung halten; und fordert von Unternehmen, flexibel auf Anforderungen zu reagieren und auch spontan intelligente Entscheidungen finden zu können. Zukünftige Führungsstile müssen sich also auf wandlungsfähige Projekte einlassen und mit Innovation den Fortschritt des eigenen Unternehmens sicherstellen. Innovative Ideen sollen dabei auf allen Ebenen des Unternehmens Wirkung erzielen – aber auch gerade aus diesem kollektiven Zusammenarbeiten entstehen. Denn Innovation kann hier vor allem aus „Bottom-up- Evaluationen“ entstehen, „welche Lernen als kollektiven Prozess und kollektive Intelligenz definieren“. Auch bei diesem Führungsstil steht somit das Kollektiv im Rahmen eines gemeinsamen Lernprozesses im Mittelpunkt – nicht der Manager alleine behält wie zuvor das Recht auf innovative Vorschläge.

5. Partizipativer Führungsstil

Die anspruchsvollen Aufgabenbereiche dynamischer und komplexer Arbeitsmärkte gehen einher mit einem ebenso wichtigen Zuwachs an Verantwortung: Führungskräfte müssen immer wieder neue Positionen einnehmen, Verantwortung übernehmen, aber auch insbesondere an Mitarbeiter delegieren. Denn es geht darum, im Arbeitsprozess eine bestmögliche Lösung zu erarbeiten und nicht im Gegenteil eine konstante und stabile Managerposition innezuhalten. Der Vorgesetzte darf und soll sich also partizipativ – als Teil des Teams – einbringen und hierbei eine aktive Vermittlerposition einnehmen, sowohl im Entscheidungsfindungsprozess als auch bei der Umsetzung. Streng hierarchische Formen werden somit aufgebrochen und Mitarbeiter zum einen Raum für individuelle Leistungen, als auch für Wertschätzung entgegengebracht. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe tritt in den Mittelpunkt.

Die Trends von heute – die Führung von morgen

Führung in der Zukunft – das bedeutet also ein Mehr an Kooperation und Kommunikation, Flexibilität und Innovation und eine integrativere Ebene der Zusammenarbeit, bei der Mitarbeiter nicht durch hierarchische Strukturen eigenverantwortlichem Arbeiten entzogen werden. Und: Führungsstile der Zukunft werden ständiger Revision unterliegen und sich adaptiver an die Gesellschaft und deren Bedürfnisse orientieren müssen. Denn auch wenn viele zukünftige Gesellschaftstrends gerade aufgrund ihrer Dynamik und Vielseitigkeit nur schwer spezifiziert werden können – so sollte Führung doch integrativ mit diesen neun Herausforderungen umgehen.

Was ist gesundheitsförderliche Führung

Haben denn Führung und Gesundheit der Mitarbeiter etwas miteinander zu tun? Ja! Das Verhalten des unmittelbaren Vorgesetzten beeinflusst das Wohlbefinden von Beschäftigten am stärksten.

Gesundheitsförderliches Führungsverhalten richtet sich nicht nur am Erzielen der höchstmöglichen Arbeitsleistung aus. Stattdessen werden auch die Interessen, das Befinden und die Motivation der Mitarbeiter bewusst berücksichtigt.

Vorgesetzte haben dabei eine wichtige Schlüsselrolle:

  • Führungskräfte sind zuständig für die Arbeitsabläufe, die Zuteilung von Arbeitsaufgaben und die Arbeitsmenge. Sie können einzelne Mitarbeiter überfordern oder aber auch fördern.
  • Vorgesetzte prägen das Teamklima entscheidend. Ist es angenehm, führt dies zu Wohlbefinden und guten Leistungen.
  • Führungskräfte sollten außerdem Ansprechpartner für die Sorgen der Mitarbeiter sein, auch bei relevanten Gesundheitsproblemen.
  • Chefs dienen mit ihrem Verhalten als Vorbilder: Wie geht der Chef mit seiner Arbeitsbelastung um? Macht er selbst Pausen oder sind Überstunden an der Tagesordnung?

Zum Thema „Gesundheit und Führung“ haben wir eine Reihe von Seminaren für Führungskräfte entwickelt:

  • Gesundes Führen – Grundlagen
  • Gesundes Führen – bei älteren Mitarbeitern
  • Gesundes Führen – bei hohem Krankenstand
  • Gesundes Führen – bei Konflikten
  • Gesundes Führen – der Moderne