Wirtschaftsfaktor Gesundheitsschutz

Jedes Unternehmen muss konsequent das Ziel verfolgen, seine Marktposition zu erhalten oder gar auszubauen, um im immer härter werdenden nationalen und internationalen Wettbewerb zu überleben. Dazu sind die betrieblichen Prozesse zu optimieren und stets an sich verändernde Situationen anzupassen. Es hat sich besonders für die gewerblichen Unternehmen gezeigt, dass gerade die Ersparnis durch Prozessoptimierung einen wesentlichen Präventionsanlass darstellt. Dies gilt gleichermaßen für Einrichtungen, Krankenhäuser, die öffentlichen Verwaltungen und Dienstleistungsunternehmen.

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens ist damit in immer stärkerem Maße von seiner Sicherheits- und Gesundheitspolitik abhängig. Daraus resultiert ein enger Zusammenhang zwischen der Marktwirtschaft und dem Arbeitsschutzniveau.

Ein generelles Ziel aller Unternehmen ist die Minimierung oder gar Beseitigung betriebsbedingter Störungen, wie Maschinenstillstand, Materialfehler, Fehllieferungen, Fehlproduktionen usw. Jede ungestörte Betriebsstunde erhöht nicht nur die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens, sondern gleichsam die Qualität der Produkte oder Dienstleistung. Sie fördert im besonderen Maße auch die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter.

Die Mitarbeiter, vom Unternehmer bis hin zu den Arbeitnehmern vor Ort, nehmen eine Schlüsselrolle ein. Ihre positive Einstellung zum Unternehmen ihre Motivation und ihre Einsatzbereitschaft bilden die existenzielle Grundlage des Unternehmens.

Präventive Maßnahmen zu Sicherheit und Gesundheit dienen der ganzheitlichen Optimierung aller Prozesse im Unternehmen. Sie nutzen Synergien und vermeiden Risiken. Das Ergebnis ist ein „(wirtschaftlich) gesundes und sicher arbeitendes Unternehmen“. Risiken werden frühzeitig ermittelt und mit dem Ziel der Vermeidung von Gefährdungen auf ein akzeptables Minimum reduziert.

Die Aufgabenstellungen von Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Umweltschutz, Datenschutz und Qualitätsmanagement nehmen in allen Unternehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Zunehmend gewinnen die Bereiche Prozessmanagement, Risikomanagement und Krisenmanagement an Bedeutung.

Mehr und mehr ist der Bedarf an einem integrierten Sicherheits- und Gesundheitsmanagement sowohl in Groß- und Mittelbetrieben, als auch in Behörden und Verwaltungen erforderlich. Unternehmen benötigen fach- und sozialkompetente Manager für Sicherheit und Gesundheit, die vernetzt agieren und ganzheitlich vorgehen. Vorausschauende Unternehmen bündeln die gesamten Funktionen ihrer unterschiedlichen Beauftragten im Gesundheitsschutzmanagement.

Damit hat sich im Arbeitsschutz ein gravierender Wandel vollzogen. Durch die gezielten Maßnahmen der Arbeitsschutzphilosophie aus den 1970er Jahren ist das Unfallgeschehen auf ein so niedriges Niveau gebracht worden, sodass die Kosten der Unfallsenkung keinen nennenswerten Beitrag zur Wirtschaftlichkeit mehr bilden. Der Arbeitsschutz des 21. Jahrhunderts verfolgt das Ziel einer Ertragssteigerung für das Unternehmen durch ganzheitliche Arbeits- und Gesundheitsschutz-Maßnahmen.

Dies ist besonders vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die sozialen Faktoren und die psychosomatischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ein gravierender Anstieg von Ausfalltagen durch psychische Erkrankungen ist ein entscheidender Indikator dafür, dass diesen Ursachen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Auch wenn diese Erkrankungen nicht nur mit langen Ausfallzeiten verbunden sind, führen sie doch zu einem enormen wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen.

Der „AOK Fehlzeiten-Report 2013“ belegt in beeindruckender Weise diesen Trend. Er zeigt auf, dass Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen dem Unternehmer dreimal so lange fehlen, wie Mitarbeiter, die aus anderen Gründen krankgeschrieben sind. Laut der Studie nehmen immer mehr Menschen in Deutschland Alkohol und Nikotin zu sich und bedienen sich pharmazeutischer Mittel, um den Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden. Zwischen 2002 und 2012 stieg die Zahl der Fehltage an Arbeitsplätzen, die durch den Konsum stimulierender Medikamente verursacht wurden, um fast 400 Prozent.

Das wissenschaftliche Institut der AOK „Wido“ registrierte 2012 gegenüber 2002 ein Plus von 350.000 Arbeitsunfähigkeitstagen bezogen auf 2,42 Millionen, die der Einnahme der Alltagsdrogen zugeordnet werden konnten. Allein die alkoholbedingten psychischen Folgeerscheinungen und Verhaltensstörungen führen zu mehr als einer Million Fehltage. Den volkswirtschaftlichen Schaden durch Medikamenten-, Tabak- und Alkoholmissbrauch veranschlagt die AOK in der Studie auf 60,25 Milliarden Euro.

Seit vielen Jahren bemühen sich Experten darum den Nachweis zu bringen, dass sich Prävention für ein Unternehmen wirtschaftlich rechnet. Ausfallkosten für Unfälle und betriebsbedingte Krankheiten dienten dabei vielfach als Berechnungsgrundlage.

Im Jahr 2010 initiierten die „Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit“ (IVSS), die „Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung“ (DGUV) und die „Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektrotechnik Medienerzeugnisse“ (BG ETEM) eine internationale Studie zu „Calculating the international return on prevention for companies: Costs and benefits of investments in occupational safety and health“.

Die international ausgerichtete Studie befasste sich mit der Frage, ob sich betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Unternehmen lohnt. Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich den wirtschaftlichen Nutzen der Prävention für das Unternehmen auf. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht konnte auf internationaler Ebene ein „Return on Prevention“ in Höhe von 2,2 ermittelt werden. Das bedeutet, wenn ein Unternehmen jährlich 1 Euro für jeden Beschäftigten in Prävention investiert, errechnet sich ein wirtschaftlicher Erfolg von 2,2 Euro.

Die Frage, ob sich betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz wirtschaftlich „lohnt“, kann daher nun eindeutig mit „Ja!“ beantwortet werden.